Warum Verpackungsfarbe nicht nur Design ist, sondern Strategie

Gehen Sie in irgendeinen Coop oder Migros und spielen Sie folgendes Spiel: Decken Sie die Markennamen ab, und versuchen Sie, nur aufgrund der Farbe zu erraten, um welche Produkte es sich handelt. Dieses grüne Shampoo? Wahrscheinlich «natürlich» oder «pflanzlich». Dieser schwarze Sportriegel? Proteinreich. Diese hellblaue Milch? Fettarm.

Die Trefferquote ist überraschend hoch. Und die Forschung bestätigt es: Studien zeigen, dass man innerhalb von 90 Sekunden nach der ersten Wahrnehmung eine Person, Umgebung oder ein Produkt unterbewusst beurteilt, und dass zwischen 62 % und 90 % dieses Urteils nur auf der Farbe beruhen.

Aber das ist kein Zufall – es ist erlerntes Verhalten. Konsumenten werden seit Jahrzehnten gleichbleibender Farbcodierung über Kategorien hinweg trainiert, ohne es zu merken. Und wenn dieses Training zu Ihrem Vorteil funktioniert, ist es wirkungsvoll.

Wer hat entschieden, dass Grün auf jeden Fall «Natürlich» bedeutet?

Es hat keinen geheimen Ausschuss gegeben, der die Farbzuordnungen festlegte. Vielmehr haben sich diese Codes organisch entwickelt – unter dem Einfluss von Marktführern, Konsumentenpsychologie und Kulturverbänden.

Bedenken Sie Folgendes: Bei Coca-Cola hat man nicht einfach Rot zur Markenfarbe gemacht, sondern man hat Rot zu der Cola-Farbe gemacht. Als sich Pepsi differenzieren wollte, nahm man Blau. Heute steht Blau in Dutzenden Ländern für «Cola-Alternative»… Sobald sich diese Zuordnungen bei den Konsumenten verfestigen, werden sie zur unsichtbaren Sprache im Verkaufsregal.

Smarte Marken wählen Farben nicht nach ihrem Geschmack. Sie wählen Farben, die funktionieren.

Wann der Verstoss gegen die Regeln funktioniert

Aber hier wird es interessant: Diese «Regeln» sind keine Gesetze. Sie sind Übereinkünfte, die sich strategisch in Frage stellen lassen.

Nehmen wir etwa Huel, die Marke für Ersatzmahlzeiten. Die meisten Proteinprodukte strotzen mit schwarzen, roten oder aggressiven Schriften nur so vor Maskulinität. Huel entschied sich für reines Weiss mit sauberer Typografie. Gewagt? Definitiv. Aber es entsprach hundertprozentig der wissenschaftsbasierten, geschlechterneutralen Positionierung des Unternehmens.

Ebenso bei On Running. Während die meisten Sportmarken auf kräftige Farben und aufwändige Grafiken setzen, wählte On minimalistische weisse und sanft graue Paletten. Man wandte sich von der aggressiven «Leistungsästhetik» ab und stattdessen der Leichtigkeit und Innovation zu – perfekt abgestimmt auf das Markenversprechen «Laufen wie auf Wolken».

Der Schlüssel? Man kannte die Regeln, gegen die man verstiess, und man hatte einen triftigen Grund. Die Forschung zur Markendifferenzierung der Harvard Business Review stützt dieses Konzept: Erfolgreiche Marken halten sich entweder genau an die Übereinkünfte ihrer Kategorie, oder sie verstossen strategisch dagegen, indem sie ein starkes Narrativ hinterlegen.

Unsere Checkliste für die Verpackungsfarbe

Wie also wählen Marken die richtige Verpackungsfarbe?

1. Der 5-Sekunden-Regaltest
Platzieren Sie Ihr Modell zwischen denen der Konkurrenz. Nach fünf Sekunden: Wofür wird es gehalten, und was wird davon erwartet?

2. Der Kategorie-Fit
Entspricht Ihre Farbe den Erwartungen in Ihrer Produktkategorie – oder führen Sie einen unnötigen Kampf?

3. Der Kultur-Check
Bedeutungen unterscheiden sich sogar innerhalb eines Landes. Wenn Sie international expandieren, werden Tests entscheidend.

4. Der Nachhaltigkeits-Scan
Grüne, beige oder Kraft Farbtöne wecken ökologische Erwartungen; stellen Sie sich also darauf ein, Ihre Ansprüche zu beweisen.

5. Die Abstimmung auf das Markenversprechen
Stärkt die Farbe Ihrer Wahl Ihre Story und Werte, oder sendet sie gemischte Signale?

Smarte Marken wählen Farben nicht nach ihrem Geschmack. Sie wählen Farben, die funktionieren. Kontaktieren Sie uns noch heute, damit wir den Farbcode Ihres nächsten Verpackungsdesigns knacken.

Textnachweis: ARD / agi

Bildnachweis: Huel / On

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